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Wohin reicht der Blick von der Elefantenrutsche in der Gruga, Klaus Ulaszewski?

 


Klaus, Essener erkennen auf dem Cover des Buches unschwer die „Elefantenrutsche“ in der Gruga. Ist das genau der Punkt, von dem aus der „Blick weit zurück reicht“? Wessen Blick reicht da wie weit zurück?


Genau betrachtet, ist es die oberste Plattform des Sprungturms, von dem aus der Blick zurückreicht. Zwar nicht von dort bis zu einer weit entfernten Stelle in der Umgebung, sondern in die weit entfernte Vergangenheit eines Lebens.

Josef, ein inzwischen greiser Fotograf, hat sich für das Ablichten seines letzten Motivs, der Elefantenrutsche, heraufbemüht. Während er auf das passende Licht wartet, erinnert er sich an das allererste Foto, mit dem er in seinem Leben in Kontakt gekommen war. Ausgehend von der Erinnerung an dieses Foto lässt er sein Leben an sich vorüberziehen.

 

Das Buch ist Deinem Vater gewidmet, und der Leser versteht, dass Du Dich in dem fiktionalen Text sehr intensiv mit seiner  Vita auseinandersetzt. Was war der Anstoß dazu, welche Quellen hattest Du?


Tatsächlich bildet die Vita meines Vaters die Grundlage für den Roman. Zwar hat mein Vater nur selten von seiner Vergangenheit erzählt - jedenfalls nicht lange an einem Stück -, aber meine Auseinandersetzung mit seinem Tod, die Bewältigung des Verlustes, bescherte mir eine überraschende Einsicht. So selten seine Erzählungen auch erfolgten, so spannend, anrührend und auch erschreckend waren sie. Ich versuchte, mir all seine erzählten Erlebnisse in Erinnerung zu rufen. Und auch wenn mein Vater längst nicht alles erlebte mitzuteilen in der Lage war, wie er mehrfach betonte, waren im Laufe der Jahrzehnte eine Menge Geschichten zusammengekommen. Neben seinen Erzählungen hat er auch einen 16-seitigen, handgeschriebenen Lebenslauf hinterlassen, der mir eine wichtige Erinnerungsstütze war.

Zu jeder meiner Erinnerung, schien sie auch klein und unbedeutend, machte ich mir eine Notiz. Und nachdem ich den Eindruck gewonnen hatte, Vaters Geschichten vollständig erinnert zu haben, arrangierte ich sie chronologisch auf einer Art Zeitstrahl, aus dem schließlich der Roman erwachsen ist.

 

Bei der Lektüre fällt auf, wie intensiv Du einzelne Szenen erzählerisch ausgestaltest, wenn die flüchtenden Jungs z.B. auf die „Mitfahrgelegenheit“ eines Zuges warten. Da fiebert man regelrecht mit und sieht vor dem inneren Auge packende Filmsequenzen. Wie geht Dir das beim Schreiben, wie fühlst Du Dich herein in solche Situationen?

 

Szenen mit erzählerischem Potenzial ziehen mich schnell in ihren Bann. Es ist mir ein Vergnügen, das Spezielle solcher Szenen - ob Humor, Spannung, Anrührendes oder Kombinationen davon - herauszuarbeiten. Je intensiver ich mich mit solchen Szenen beschäftige, also das besondere einzelner Charaktere hervorhebe oder Setdetails beschreibe, desto bunter und realer erscheinen sie mir. Nicht nur dann, aber gerade dann, bin ich mittendrin und sehe Filmsequenzen, die sich auch in späteren Überarbeitungsphasen immer wieder genau so abrufen lassen. Doch bin ich selbst - als Leser - kein großer Freund allzu ausschweifender Beschreibungen, weshalb ich meine eigenen eher zurückhaltend gestalte.

 

Wenn wünscht du dir als Leser oder Leserinnen?

 

Dazu möchte ich mit einem abgewandelten Chuck-Norris-Vergleich antworten: Alle. Ha.

Okay, aber schon alle,

die sich für schicksalhafte, von politischen Umwälzungen geprägte Lebenswege interessieren;

die ein Leben ohne Kunst für möglich, aber unvollkommen halten;

die immer auch ein wenig Kind geblieben sind;

die trotz allem ihren Humor behalten haben.


 

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