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"Nichts ersetzt einen handgeschriebenen Brief"

Lieber Sebastian: Ein Buch über Briefkästen in aller Welt. Wie kommt man denn auf so was?


Es war ein großer Zufall. Ich arbeite seit 25 Jahren als Flugbegleiter (seit 5 Jahren auch als Buchhändler, aber das ist hier unerheblich). Auf dienstlichen und vielen privaten Reisen habe ich offenbar, ohne es zu merken, immer wieder die Postbriefkästen in teilweise ziemlich exotischen Ländern fotografiert. Irgendwann habe ich alle meine Fotos mal durchgeschaut und merkte: das ist eine ganz schöne Sammlung. Die habe ich dann etwas archiviert und es wurde dann so eine Art sanfter Fetisch daraus. In Ländern, aus denen ich noch kein Briefkastenfoto hatte, bin ich dann gezielt auf die Suche gegangen. Oft ergaben sich beim Fotografieren lustige kleine Anekdoten, die ich mir dann aufgeschrieben haben. Über die Jahre entstand so eine schöne Sammlung an Bildern und Geschichten, die ich in diesem Buch zusammengestellt habe.


Es ist faszinierend, was für Briefkastenpersönlichkeiten du entdeckt hast. Was erzählen die Briefkästen über die Kulturen ihrer Länder?


Man kann teilweise an den Briefkästen sehr gut ablesen, wie gut in Ländern allgemein auf öffentlichen Raum achtgegeben wird. In Japan, wo man ohne Bedenken von der Straße essen kann, sind auch die Briefkästen tiptop gepflegt. Man merkt: hier herrscht ein gewisser Respekt vor öffentlichem Eigentum. In Ländern, die allgemein etwas unaufgeräumter sind, spiegelt sich das dann oft auch in den Briefkästen wieder. Ob das tiefergehende kulturelle Interpretationen hergibt, da bin ich mir nicht so sicher.


Dänemark schafft seine öffentlichen Briefkästen ab, als Tribut an die Digitalisierung. Droht hier eine jahrhundertealte Kultur auszusterben?


Ich finde es entsetzlich, auch wenn es betriebswirtschaftlich womöglich sinnvoll erscheint. Briefeschreiben ist eine ganz großartige Kulturtechnik und nichts, gar nichts, ersetzt einen handgeschriebenen Brief oder eine Karte. Ich könnte mir denken, dass es da irgendwann zu einer Rückbesinnung kommt. Der Mensch ist ein haptisches Wesen, wir sind für diese digitale Welt, die auf dem Vormarsch ist, meiner Überzeugung nach nur begrenzt gemacht.


Das Buch kaufen Sie persönlich gern in der "Insel der Bücher" in Holsterhausen - auf Wunsch mit handgeschriebener Widmung des buchhandelnden Weltenbummlers.


 

 
 
 

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