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"Hier hab ich das ein oder andere Pilsken konsumiert"

vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

  


Rainer, nach den neuen Bänden „Essen. Sessenbergstraße“, die ja in den Sechziger Jahren spielen, machst Du einen Orts- und Zeitsprung nach Essen.Überruhr in den frühen Achtzigern. Was hat Dich da gereizt?


Der Orts- und Zeitsprung in meinem neuen Roman „Rüpel“ im Vergleich zu meinen Krimis aus der Saga „Essen, Sessenbergstraße“ bedeutet für mich eine literarische Rückkehr in meine Heimat Essen-Überruhr, die ich in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren sehr intensiv erlebt habe, bevor ich dann in das doch eher triste Münsterland zunächst als Studienreferendar gezogen bin. Es hat mich gereizt, reiche und vielfältige Impulse aus dieser Zeit auf der Ruhrhalbinsel literarisch zu verwerten. Des weiteren erschien es mir sehr wichtig, meine Musikband „Die Popel“ in angemessener Weise im Roman zu würdigen. Einen hohen Stellenwert besitzt jedoch eine bestimmte und besondere Gaststätte im Herzen Essen Überruhrs, die als Vorbild für einen wesentlichen Handlungsort im Roman „Rüpel“ diente. Dort habe ich mich oft getummelt, das ein oder andere Pilsken konsumiert, Musik gemacht oder als Koch gearbeitet. Sehr spannend, mitunter lehrreich und äußerst unterhaltsam war der Aufenthalt an der Theke unter meist wohlgelaunten Biertrinkern. Die Romanfiguren sind alle mit Ausnahme der Band fiktiv einschließlich des Hauptprotagonisten Gottfred. Gleichwohl lieferten mir aber die Kneipengäste von damals Anregungen und Impulse für meinen Plot. Einen besonderen Stellenwert in diesem Zusammenhang hat mein 2017 verstorbener Freund Manfred Robling. „Danke, Manni!“  

 

   Wieder verknüpst Du Deine liebe- und humorvollen Menschen- und Milieuschilderungen mit einem Kriminalfall. Welche erzählerischen Möglichkeiten gibt Dir die Krimihandlung?

 

Durch die kriminelle Situation entsteht ein starker, spannender Kontrast zum Milieu der liebe- und humorvollen Menschen. Diese Antithetik verstärkt die Wirkung beider Welten. Jedoch wird in meinem Roman das fast idyllische, störungsfreie Dasein der Thekenartisten zunächst em- pfindlich gestört. Sie überwinden aber als eingeschworene Gemeinschaft diese Störung. In der kriminellen Erzählsituation wird gleichsam eine Lupe über Täter und auch Opfer gelegt, welche das wahre, sonst kaum erkennbare Ich der betreffenden Figuren offenbart. In meinem Roman wird in einer existenzbedrohenden Lage im „Gehäuse“ eines kriminellen Plans der Kern des Charakters des Täters gezeigt.

 

Wie lange gab es Deiner Meinung nach dieses Miliei im „Haus Wald“, der Gaststätte, die ja ein ganz reales Vorbild hat. Oder gibt es das etwa immer noch?


  Das reale Vorbild meiner Romangaststätte „Haus Wald“ existiert seit dem 19. März 1954. Es handelt sich um die Überruhrer Gaststätte „Haus Silva“. Die gibt es noch immer und damit auch dieses im Roman dargestellte Milieu. „Haus Silva“ erfreut sich größter Beliebtheit. Ob es in weiteren Romanen als Vorbild dienen wird, ob die Thekenturner noch einmal auftreten werden, vermag ich noch nicht zu sagen.


 

 
 
 

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